Blog der ravenden Gesellschaft
Donnerstag, 5. März 2009
Ein Verein, der hat es gar nicht leicht...


... kündet die Vereinshymne - und wer ernsthaft noch nicht wusste, was diese merkwürdige Textzeile denn soll, musste nur einmal die Berichte der letzten Wochen über den TSV München von 1860 verfolgen. (Man kann der Story ersten Teil aber auch kurz zusammengefasst beim Kollegen Kaffchris lesen). Gestern nun der finale Höhepunkt, das große "Verzeih mir" inklusive Gemeinplatzreigen deluxe, das allmählich sogar den betont sachlich-nüchternen Reportern des kicker deutlich die Zornesadern beben lässt - obwohl das auch noch besser geht.

Eigentlich wollte ich schon nach der Bekanntgabe des Investor-Einstiegs mal wieder bloggen. Sowas in der Art: Ja, sie haben's endlich kapiert, entweder geht der Verein mittelfristig drauf oder sucht mittelfristig den Aufstieg, den Erfolg, um damit die Arena auszulasten, die unendliche Stadiondiskussion zu beruhigen und nicht zuletzt auch das ewig erwartungsvolle Vereinsumfeld zu befrieden. Nun, es ist für diesen Verein echt eine herausragende Leistung, monatelang Geheimverhandlungen zu führen und erst an die Öffentlichkeit zu treten, wenn alles perfekt ist. Stutzig machte mich nur damals schon das sich schließende Transferfenster - die werden doch nicht deswegen...?

Nun, schön ist ja, das das Chaos bei diesem Verein so vorhersagbar ist. Und es verhindert, dass berechtigte Fragen gestellt werden: Warum darf der rote Lokalrivale 10% seiner Anteile an adidas verscherbeln, aber bei 1860 kein Investor per nachrangigem Darlehen einsteigen - da er ja Einfluss nehmen könnte? Fragen über Fragen. Auch die, ob man den Deal zum Schluss wirklich im Hauruck-Verfahren durchziehen musste - oder ob es nicht gereicht hätte, alles in Ruhe sauber einzufädeln, mit der DFL abzuklären und diese Nicht-Fisch-nicht-Fleisch-Saison ordentlich zu Ende zu spielen.

Zum gefühlten 1860.-ten Mal ist nun alles neu bei Sechzig. Wenigstens schätzt der neue Geschäftsführer Manfred Stoffers den "Chilifußball" und entließ nach der deftigen Auswärtsniederlage in Duisburg den behäbigen Cheftrainer Marco Kurz, dem es nie gelang, das Potential der Mannschaft abzurufen. Dem bisherigen Co-Trainer Uwe Wolf war im Gegenzug gleich der höchste Saisonsieg (gegen St. Pauli) vergönnt, so dass bei halbwegs normalem Verlauf der Restsaison ein Platz im grauen Tabellenniemandsland herausspringen dürfte. Erstaunlicherweise lockte der Verein mit dieser Aussicht tatsächlich einen neuen Hauptsponsor (Bauer) an. Wie attraktiv das Fußball-Investment Sechzig sonst noch ist, entscheidet sich nicht zuletzt über die künftigen DFL-Statuten. Wenn der TSV dann noch im Profibereich existiert. Er hat es ja bekanntlich gar nicht leicht...

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Dienstag, 13. Januar 2009
Ziviler Ungehorsam.


Die bayerische Landeshauptstadt hat sich immer etwas schwer getan mit ihrer tollkühnen tiefroten Episode und Kurt Eisner. Erst seit 1989 erinnert eine Reliefplatte gleich hinter dem Bayerischen Hof an den Todesort des Vaters des Freistaates Bayern.

Ob es also daran liegt, dass eine mit Unterstützung des Kulturreferats durchgeführte Veranstaltungsreihe im Herzen des U-Bahn-Netzes, nämlich am Übergang zwischen den zwei Bahnsteigen am Odeonsplatz, zum zivilen Ungehorsam gegen die MVG aufrufen darf?

Mittlerweile haben denn auch einige Passanten die Aufforderung allzu wörtlich genommen und die Plakate mit Liebesbotschaften dekoriert. A bissal wos geht hoid immer...

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Sonntag, 4. Januar 2009
Sabato sera alla discoteca (II).


Nicht viel ist geboten in der nachsilvesterlichen Ödnis, in der Zeit - in der sich das Jahr noch frisch und unschuldig anfühlt und die Angst, es in dem jungen Ding schon gleich gar zu wild zu übertreiben, mit Händen zu greifen ist. Eine Zeit, Sachen jenseits der großen Namen auszuprobieren, mal wieder in die Liga, zu so obskuren Sachen wie Rico Suave zu gehen.

"With the weight of the ‘70s on their shoulders Stephen, Rico Suave & Zoloft came up with an ‘old new’ idea. The time was right for spreading disco alongside other colours of music." kündet die Myspace-Seite, und man ist geneigt, jedes einzelne Wort zu unterschreiben. Und eine Ahnung davon zu kriegen, wie es sich angefühlt haben muss, damals, zur Zeit von Giorgio Moroder und den Musicland-Studios, als ganz München unter einer großen Discokugel zu tanzen schien. Da darf die Liga-Tanzfläche dann auch mal länger geputzt werden...

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