Blog der ravenden Gesellschaft
Vote for your right to party...


... meinten im Kommunalwahlkampf einige schicke Clubs um das neue "Nachtlebenzentrum" Maximiliansplatz - und gaben im Stadtmagazin in-münchen ausgerechnet eine Wahlempfehlung für die alte Arbeiterpartei SPD ab.

Und dies ist nicht die einzige skurille Anekdote, da sich über die Kommunalwahl in München erzählen lässt. Als Wahlhelfer erlebt man ja gerade bei einer solchen Abstimmung, die die Wähler mit bis zu 80 Stimmen und so interessanten Möglichkeiten wie "Kumulieren" und "Panaschieren" ausstattet, manche ratlose Frage. Aber spätestens bei der dritten hübschen Erstwählerin geht das schon zuvor bereitgelegte Erklärungsschema locker von der Hand - zumal die Synergieeffekte für die gleichzeitig im Wahlraum anwesenden WählerInnen beachtlich sind.

Kurzum, man hat irgendwann gerade in einem akademisch geprägten Stadtviertel wie Haidhausen den Eindruck, dass es die Wähler schon gerafft haben. Und tatsächlich: Doppelte Listenkreuze, wie in sie noch 2002 in der Heimatgemeinde meiner Eltern zuhauf gesehen habe, gibt es kaum - stattdessen einige echte Rechenkünstler, die die Stimmen fein säuberlich 60:40, 70:30 oder in anderlei aberteuerlichen Konstruktionen millimetergenau zwischen kleiner und großer Partei eines politischen Lagers aufteilen.

Muss also nur noch ausgezählt werden - und das geriet in München zum Desaster, trotz Nutzung multimedialer Möglichkeiten durch das Kreisverwaltungsreferat. Jedem Wahlhelfer wurde doch tatsächlich eine eigens dafür produzierte DVD zugesandt, die speziell zur Auszählung wirklich jeden Exotenfall darstellte. Unter anderem den nur theoretisch möglichen Fall eines gültigen Stimmzettels mit zwei Listenkreuzen (wenn dadurch die Gesamtstimmenzahl nicht überschritten wird - was aufgrund der "Füllkandidaten" auf allen Listen praktisch aber nicht möglich war).

So verwirrt, kamen manche Bezirke (wohlgemerkt nicht Au-Haidhausen) mit dem Auszählen überhaupt nicht mehr zu Rande - weswegen es bis Mittwochabend dauerte, bis endlich ein vorläufiges amtliches Endergebnis vorlag. Sogar das bayernweite Ergebnis verzögerte sich dadurch. Noch eine Blamage für die CSU, deren Parteimitgliedschaft Kreisverwaltungsreferent Blume-Beyerle besitzt.

(Fortsetzung hier)

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kaffchris, Mittwoch, 19. März 2008, 08:57
Untergiesing-Harlaching hat ewig gebraucht, da scheints chaotisch zugegangen sein. Dabei war ich nicht mal Wahlhelfer dort *g*
Achja, Hoch lebe die Briefwahl, und die damit verbundene Ruhe und Zeit um seine Stimmen zu verschleudern :)